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"Kiss Me, Kate" in Würzburg

Am Mainfrankentheater in Würzburg wird derzeit Kiss Me, Kate gegeben (siehe auch hier). Im Netz findet sich nur das eine Foto, das am Link zu sehen ist, und keinerlei Kritiken. Ich habe aber in Erfahrung bringen können, dass es eine sehr gute Produktion in konventioneller Regie sein dürfte.

Und wenn jetzt nichts mehr dazwischen kommt, werden wir im Juni hinfahren! Für uns sind Karten reserviert worden und ich habe soeben das Hotel gebucht. Das wäre das erste Mal, dass ich das Stück live sehen könnte - Zeit wird's!!! Nach dem Reinfall mit der Seebühne am Chiemsee, wo ja die Vorstellungen abgesagt wurden, nachdem wir bereits Karten erstanden hatten, traue ich mich gar nicht hoffen, dass es jetzt endlich mal klappen könnte, obwohl momentan alles danach aussieht.

Wobei meine größte Sorge ist, ob unsere zweieinhalbjährige Tochter meiner Mutter in der Nacht das Leben zur Hölle machen wird - sie war noch nie über Nacht von uns getrennt. Aber es ist schon auch wichtig, dass wir endlich mal wieder was als Paar unternehmen - das haben wir seit der Geburt vollkommen vernachlässigt.

Wenn es tatsächlich klappt, werde ich hier natürlich ausführlichst berichten!

1.6.07 20:55


"Kiss Me, Kate" in Würzburg - wir waren dort!

Am 9. Juni haben wir es tatsächlich geschafft und sind nach Würzburg gefahren, um uns dort Kiss Me, Kate anzusehen! Und es hat sich mehr als gelohnt!

Es musste kurz umdisponiert werden, weil Ingo Klünder, der am Mainfrankentheater so was wie ein Publikumsliebling sein dürfte und sich mit der Rolle des Fred dort verabschiedete, am Tag zuvor erkrankt war. Für ihn sprang kurzfristig Ulrich Kratz ein; der hatte zwar die Nummern drauf, aber die Regie war ja komplett neu für ihn, also war er bei den Dialogen verständlicherweise manchmal etwas hilflos und bisweilen hörte man die Souffleuse lauter als ihn. Am lustigsten war es in der Kampfszene, die hat ja eine besonders hohe choreographische Dichte und sehr viel komplexen Dialog, am Schluss hätte er dann fast vergessen, Lilli zu verhauen. Naja, es war also alles etwas improvisiert, aber die Lieder hat er wirklich sehr schön gesungen.

Ansonsten war echt alles absolut toll. Die DarstellerInnen waren alle super - Barbara Schöller war eine wunderbare Lilli, Sonja Koppelhuber eine tolle Lois (die hier, wie in vielen deutschsprachigen Produktionen, Ann hieß ) und David Fielder stimmlich ein auffallend guter Bill. Hervorzuheben ist auch noch Christine Mittermair als Hattie, deren Rolle zurecht aufgepeppt wurde - sie durfte "From this Moment On" singen, in einer vom Originaltext völlig abgelösten Übersetzung, in der Hattie sich ihrem Wunschtraum von einer Theaterkarriere hingibt.

Auch sonst gab es ein paar kleine Änderungen zum Originalskript, z.B. wurde "Bianca" bereits im 1. Akt gesungen, und zwar als Teil der Shakespeare-Handlung. Das einzige, was ich nicht so gelungen fand, war, dass der 1. Dialog, in dem die Charaktere in ihren Verhältnissen zueinander präsentiert werden, gestrichen bzw. mit einem viel kürzeren ersetzt worden war. Dadurch war man zu schnell in medias res, ohne dass die komplexen Beziehungen zwischen den Figuren eingeführt worden wären. Dafür gefiel mir der Schluss des Stückes wieder sehr gut: Fred sagt, dass Lilli weg ist und das Stück zu Ende. Die Kulissen verschwinden und alle anderen DarstellerInnen verlassen die Bühne, er bleibt alleine zurück. Da kommt Lilli und singt das bekannte "I Am Ashamed" - hier textlich geändert und tw. nur instrumental, so dass die frauenfeindlichsten Stellen gestrichen sind. Dadurch, dass die zwei nun allein auf einer quasi leeren Bühne sind, entsteht ein sehr berührender, intimer Moment. Dann finden sich langsam wieder die anderen ein und es kommt zum fröhlichen Finale.

Auch einige andere Stücke waren besonders gelungen umgesetzt, besonders "Tom, Dick or Harry", was hier mit "Hinz und Kunz" übersetzt war. Die Freier waren zum Schießen und das gesangliche Niveau sehr hoch. Auch "Brush Up Your Shakespeare" hat uns gut gefallen, der eine Gangster wollte immer schon aufhören, doch der andere hatte Blut am Auftreten vor Publikum geleckt und so erklärten sich die vielen Reprisen überzeugend.

Die alte Neumann-Übersetzung ist sehr spritzig, misslungen finde ich nur die Übersetzung von "So In Love". An der Stelle, an der Lilli bzw. Fred im Original "In love with my joy delirious, when I knew that you could care" singen, heißt es hier: "Auch denk ich noch an den schwersten Tag, als du böse von mir gingst" - die positive Erinnerung wird also mit einer negativen ausgetauscht, was jedoch nicht zur Musik an dieser Stelle passt. Da finde ich die Übersetzung in der Synchronisation des Films von 1953 besser, die ist sehr nahe am Originaltext.

Insgesamt war es ein toller Abend, das Orchester und die DarstellerInnen waren großartig und die Regie charmant und witzig.

Mittlerweile gibt es auch endlich eine Kritik online.

 

30.6.07 07:31





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